
Geschichte des Burnouts
Der Begriff
„Burnout“ wurde 1974 von dem Psychoanalytiker Herbert
Freudenberger erstmals verwendet. „Helfende Berufe“
(Ärzte, Pflegeberufe, Rettungsdienstpersonal, Lehrer,
Sozialarbeiter, Erzieher) fielen ihm durch besonders
häufige Krankschreibung, Arbeitsunfähigkeit oder
Frühverrentung auf. Ursache war eine besonders hohe
Arbeitsbelastung, gepaart mit einem besonders hohen
persönlichen Engagement, beides führte zum „Ausbrennen“.
Ins Blickfeld der Medien kam das Syndrom, nachdem einige
Fälle unter Prominenten bekannt wurden.
Charakteristische Merkmale
und Symptome
Die
charakteristischen Merkmale sind eine körperliche und
emotionale Erschöpfung, anhaltende physische und
psychische Leistungs- und Antriebsschwäche, sowie der
Verlust der Fähigkeit, sich zu erholen. Ebenso ist eine
zynische, abweisende Grundstimmung gegenüber Kollegen,
Klienten und der eigenen Arbeit festzustellen. Burnout
ist nicht nur ein persönliches Problem des Betroffenen,
sondern gefährdet aufgrund seiner „ansteckenden“ Natur
das berufliche Umfeld. Auch wenn sich die
Krankheitshäufigkeit (Prävalenz) des Burnout-Syndroms
noch nicht feststellen lässt, wird eine allgemeine
Steigerung des Burnout-Risikos aufgrund sich
verändernder Lebens- und Arbeitsbedingungen erwartet.
Warnsymptome der Anfangsphase
Eine Theorie
sagt: „Nur jemand, der einmal entflammt war, kann auch
ausbrennen!.“ (Pines, Aronson & Kafry, 1985)
Auffallende
Merkmale der Anfangsphase sind beispielsweise:
-
vermehrtes Engagement für bestimmte Ziele
-
man
arbeitet nahezu pausenlos
-
verzichtet auf Erholungs- oder
Entspannungsphasen
-
fühlt
sich unentbehrlich und vollkommen
-
um
das darzustellen, entwerten Betroffene häufig
andere Teammitglieder
-
und
machen sich so bei Kollegen unbeliebt
-
der Beruf
wird zum hauptsächlichen Lebensinhalt
-
Hyperaktivität
-
Nichtbeachten eigener Bedürfnisse
-
Verdrängen von Misserfolgen
-
Beschränkung sozialer Kontakte auf einen Bereich, z.
B. die Kunden, Partnervernachlässigung
-
Erschöpfung
-
chronische Müdigkeit
-
Suche von
Ablenkung und Trost in Alkohol, Tabak, Internet- und
Computeraktivitäten, vielem Essen oder häufigerem
Sex
-
Konzentrationsschwäche
-
Schlafstörungen
-
Drehschwindel
-
Angstzustände
Ob auch akute
Überbelastung z. B. in Grenzlagen zu Burnout führen
kann, ist noch nicht genau erforscht.
Reduziertes Engagement
Die völlige
Hinwendung zu einem Bereich, z. B. zum Klienten in der
Arbeit, kann nach einiger Zeit genau das Gegenteil
hervorrufen, nämlich den Rückzug.
Folgende
auffallende Merkmale sind zu beobachten:
-
der
Betroffene verliert die positiven Gefühle gegenüber
dem Klienten
-
Stereotypisierung
-
Distanzbedürfnis und Meidung von Kontakten
-
Schuldzuweisungen an andere (aggressives Verhalten)
und an sich selber (depressives Verhalten)
-
verstärkte Akzeptanz von Kontrollmitteln, Strafen,
Medikamenten, Alkohol
-
negative
Einstellung und Vernachlässigung der Arbeit
-
verstärkter Rückzug von Problemen mit anderen, oder
von der Familie, den Partnern, Freunden etc., da
auch in anderen Bereichen Reden und Zuhören zum
Problem wird
-
der
Betroffene stellt erhöhte Ansprüche an sein Umfeld
und hat häufig das Gefühl, ausgenutzt und nicht
genug anerkannt zu werden.
Schuldzuweisungen als
emotionale Reaktion
Emotionale
Reaktionen sind das Produkt „emotionaler Produktion“[2]
und nicht notwendigerweise irrational, müssen aber auch
auf der emotionalen Ebene verstanden und angesprochen
werden, wenn die mit ihnen konstruierten
Ursachenzusammenhänge Attributionsfehler enthalten und
die Tatsachen nicht richtig abbilden. Die mit Burnout
verbundenen Probleme führen besonders zur
Desillusionierung und fordern oft das Aufgeben von
wichtigen Lebenszielen. Dies ist sehr schmerzlich und
muss verarbeitet werden. Bei der Aufarbeitung kann es zu
Schuldzuweisungen kommen, die die tatsächlichen Ursachen
nicht widerspiegeln. Diese kann sich als Aggression
entweder gegen sich selbst oder gegen andere wenden.
Betroffene fühlen sich oft hilflos, sie entwickeln
Schuldgefühle und mindern ihr Selbstwertgefühl. Oder sie
machen der Umwelt Vorwürfe für Ursachen, die nicht
umweltbedingt sind. Auch kann es zur Ablehnung
hilfreicher Veränderungen der Arbeit und zu
Wutausbrüchen kommen.
In diesem
Stadium können die Probleme, wenn man sie ernst nimmt,
noch erfolgreich gelöst werden.
Abbau des
Engagements
Dauern die
Probleme über längere Zeit an, führen sie zu einem Abbau
des Engagements, der zunächst in der Arbeit durch
folgende Symptome sichtbar wird:
-
Desorganisation
-
Unsicherheit
-
Probleme
bei komplexen Aufgaben und Entscheidungen,
verringerte kognitive Leistungsfähigkeit
-
Verminderte Motivation und Kreativität
-
die
Arbeit wird gerne auf den Dienst nach Vorschrift
reduziert
Auch das
Privatleben wird beeinträchtigt: Die Betroffenen ziehen
sich immer mehr zurück, pflegen kaum mehr
Freundschaften, trennen sich vom Partner und
vereinsamen.
Verflachung
Zudem kommt es
nicht nur zum Abbau in der Arbeit, sondern auch generell
zur Verflachung des emotionalen, mentalen und sozialen
Lebens.
Folgende
Symptome treten häufig auf:
-
Gefühle
wie Gleichgültigkeit, Einsamkeit und Desinteresse
-
Konzentration auf die eigene Person
-
Probleme
bei sozialen Kontakten:
Psychosomatische Reaktionen
Zu große
psychische Belastungen können zu einer Schwächung des
Immunsystems und dadurch häufiger zu
Infektionskrankheiten führen. Weitere psychosomatische
Erkrankungen sind oft Verspannungen, Schlafstörungen,
Kreislaufprobleme, Verdauungs- und Essstörungen sowie
bei fortgeschrittener Erkrankung auch Herzkrankheiten,
Geschwüre im Magen-Darm-Trakt, schwerer Tinnitus,
"Visual Snow" (Augenrauschen) und Begünstigung der
Krebsentwicklung. Alkoholkrankheit und Missbrauch und
Abhängigkeit von Medikamenten und anderen Drogen kann
Folge sein, sowie Angststörungen mit unregelmäßigen
Panikattacken.
Verzweiflung
Im Endstadium
des Burnouts erlebt der Betroffene existenzielle
Verzweiflung. Die Einstellung zum Leben ist überwiegend
negativ und das Gefühl der Hilflosigkeit und
Niedergeschlagenheit verdichtet sich zur Depression.
Zuletzt folgt totale Sinnlosigkeit, die oft im Suizid
oder einem selbstverletzenden Verhalten endet.
Diagnose
und Fragebögen
Es gibt zwei
anerkannte Methoden zur Diagnose des Burnouts:
-
Das
Maslach Burnout Inventory – MBI, bei dem Aussagen
aus den Kategorien Emotionale Erschöpfung,
Depersonalisierung und Leistungszufriedenheit nach
Intensität und Häufigkeit beantwortet werden müssen.
Inhaltlich deckt dieser Fragebogen die wichtigsten
Aspekte des Burnouts ab. Nachteil des Instruments:
Die Fragen sind zu sehr auf helfende Berufe bezogen.
-
Das
Tedium Measure – TM, in dem Aussagen nur bzgl. ihrer
Häufigkeit beantwortet werden.
Phasen des Burnout-Syndroms
Burnout ist
immer als ein Prozess zu verstehen, den man in Phasen
unterteilen kann. Es gibt allerdings nicht den typischen
Verlauf des Burnouts. So wurden zahlreiche
Phasentheorien entwickelt, unter anderem von Herbert
Freudenberger, Lauderdale, Jerry Edelwich, Christina
Maslach, Stevan Hobfoll und Cary Cherniss. Freudenberger
und Lauderdale haben überwiegend Fälle aus der
Wirtschaft betrachtet, während sich J. Edlewich, C.
Maslach, und C. Cherniss mit solchen aus helfenden
Berufen befasst haben. Hobfoll geht auf beide Gruppen
ein.
Nach
Freudenberger
Hier wird eine
Entwicklung von einem empfindsamen zu einem
empfindungslosen Stadium beschrieben.
-
empfindsames Stadium: Negative Gefühle werden nicht
beachtet, ein hoher Energieeinsatz zum Erreichen
gewohnter Leistungen aufgebracht und chronische
Müdigkeit verdrängt.
-
empfindungsloses Stadium: es treten Symptome wie
Gleichgültigkeit, Schuldzuschreibungen an die
Umwelt, Angst nicht anerkannt zu sein und
Desorientierung auf.
Nach
Lauderdale
Lauderdale
beschreibt einen Weg von der Verwirrung über die
Frustration zur Verzweiflung:
-
Verwirrung: In diesem Anfangsstadium hat der Patient
das grundlegende Gefühl, dass irgendetwas nicht in
Ordnung ist. Begleitend treten gelegentliche
grundlose Angst und beginnende körperliche
Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verspannungen etc.
auf.
-
Frustration: In diesem fortgeschritten Stadium
machen sich Gefühle wie Ärger, Unzufriedenheit,
Gereiztheit und das Gefühl ausgenutzt, betrogen zu
werden breit. Es folgt oft eine Flucht, z. B. durch
einen Arbeitsplatzwechsel, oder die Flucht in
Drogen, Medikamente, … Die körperlichen Beschwerden
verstärken sich zunehmend.
-
Verzweiflung: Gefühle von Sinnlosigkeit, Versagen,
Misstrauen treten verstärkt auf. Es kommt zu
schneller Erschöpfung, das Leben wird so weit es
geht mechanisiert, der Patient zieht sich zurück und
fällt in Apathie.
Nach
Edelwich
Auch bei
dieser Theorie wird ein Prozess über mehrere Phasen
hinweg erläutert:
-
idealistische Begeisterung, verbunden mit
Selbstüberschätzung, hohem Energieeinsatz sowie
Überidentifizierung mit der Arbeit und den Klienten
-
Stillstand nach ersten Enttäuschungen
-
Orientierung hin zu eigenen Bedürfnissen in der
Arbeit, z. B. zur Karriere
-
Frustration, die von der Erfahrung eigener Erfolg-
und Machtlosigkeit sowie Problemen mit der
Bürokratie und der scheinbar mangelnden Anerkennung
durch die Klienten ausgelöst wird
-
körperliche Beschwerden, Essprobleme und
Drogenkonsum
-
Apathie
und Verzweiflung
-
fallspezifische Intervention
Nach
Maslach
Diese Theorie
gliedert den Krankheitsablauf in folgende Phasen:
-
emotionale und physische Erschöpfung
-
Rückzug:
Der Erschöpfung folgen negative Gefühle gegenüber
anderen, wie Kollegen, Patienten, Klienten, etc.,
aber auch gegen sich selbst. Es kommt zu
Dehumanisierung und Zynismus und der Betroffene
zieht sich verstärkt zurück. Die Arbeit wird auf das
Notwendigste reduziert, Veränderungen und Probleme
gemieden.
-
In einem
terminalen Stadium verstärkt sich der Widerwillen
gegen andere und sich selbst und ein Gefühl
reduzierter Leistungsfähigkeit entsteht.
Nach
Cherniss
Cherniss zeigt
folgende drei Phasen auf:
-
Die
vorrangige Ursache ist Stress im Beruf, da die
Anforderungen dort die eigenen Fähigkeiten und
Ressourcen übersteigen
-
Daraufhin
kommt es zu einem Stillstand, bei dem sich Gefühle
wie Angst, Spannung, Reizbarkeit und Erschöpfung
breitmachen.
-
Es folgen
defensive Bewältigungsversuche durch emotionale
Abkoppelung, Rückzug und Zynismus.
Nach
Hobfoll
Hobfoll
beschreibt die Entwicklung von Ressourcenverlusten im
Kontext der Burnout-Symptomatik nach Maslach, sagt aber
keine Auftretensreihenfolge der drei Burnout-Komponenten
vorher, sondern postuliert, dass die Existenz einer
Komponente die Auftretenswahrscheinlichkeit der beiden
anderen erhöht (Buchwald & Hobfoll, 2004). Im Rahmen der
Theorie der Ressourcenerhaltung sehen Hobfoll und
Buchwald den Verlauf des Burnouts als einen Prozess, bei
dem bestehende Ressourcen durch eine permanente
Arbeitsbelastung schneller aufgebraucht als ersetzt
werden können. Anfängliche Ressourcenverluste können in
eine Spirale fortschreitender Verluste münden.
Verlustspiralen entstehen vor allem bei Menschen, denen
es bereits in der Ausgangssituation an adäquaten
Ressourcen mangelt. Im Unterschied zu extremen
Stressereignissen, bei denen man rasante
Ressourcenverlustspiralen beobachten kann, findet beim
Burnout ein eher langsames, aber stetiges Versiegen von
multiplen Ressourcen statt. Dieses allmähliche, oft kaum
merkliche Verrinnen der Ressourcen im Laufe des
Arbeitsprozesses ist ein schleichender Prozess, der
jedoch im Endeffekt der Wirkung von extremem Stress kaum
nachsteht (Hobfoll, 1998).
Zusammenfassung
Die Phasen
könnte man folgendermaßen zusammenfassen:
-
Enthusiasmus
-
Stagnation
-
Frustration
-
Apathie
-
Burnout
Diese Phasen
lassen sich vor allem gut an den helfenden Berufen
aufzeigen. Es wird mit großem Idealismus und guten
Vorsätzen an eine Tätigkeit heran gegangen (Phase
Enthusiasmus). Die Person merkt aber, dass sie durch ihr
Handeln keine Fortschritte erzielt. Stagnation,
womöglich Rückschritte frustrieren, machen zynisch
gegenüber der Klientel. In der Phase der Apathie ist die
berufliche Tätigkeit nur noch unter großen Anstrengungen
auszuüben. Man ist unmotiviert, sich neue Ziele zu
stecken und häufig fehlt auch das Bewusstsein für seine
eigene Situation. In der Phase wirken die Betroffenen
äußerst phlegmatisch und können sich selbst zu nichts
mehr antreiben, weder beruflich noch privat. Hier sind
auch erste körperliche Anzeichen von Erschöpfung
sichtbar. Hält dieser Zustand für eine längere Zeit an,
spricht man vom Burnout-Syndrom.
Ursachen
Die Ursachen
für Burnout lassen sich v.a. im persönlichen, im
sozial-, und organisationspsychologischen und im
gesellschaftlichen Bereich finden. Bei all diesen
genannten Feldern spielt insbesondere der Rollenkonflikt
zwischen Wunschbild und Realität eine große Bedeutung.
Ist die Diskrepanz zu groß, steigt die emotionale
Enttäuschung stark. Eben diese Enttäuschung stellt die
Grundlage der Krankheit dar.
Persönliche
Ursachen
Der Belastung
des Menschen durch seine Umwelt steht seine persönliche
Resilienz gegenüber. Folgende persönliche Aspekte
vermindern diese persönliche Belastbarkeit und
begünstigen den Burnout:
-
Neurotizismus: Eigenschaften wie Ängstlichkeit,
mangelnde Selbstachtung, Neigung zu Irritationen,
Sorgen und Depressionen, Neigung zu Zwanghaftigkeit,
Schuldanfälligkeit und ein labiles Selbstwertgefühl
sind bei Ausbrennern auffällig.
-
Perfektionsstreben: Ausbrenner setzten sich oft zu
hohe Ziele und haben Probleme, Kompromisse
einzugehen. Das wirkt sich nachhaltig auf ihre
Handlungsplanung und -bewertung aus.
-
Helfersyndrom: Es wird versucht, Versagenserlebnisse
und versagte Zuwendung in der Kindheit nun durch die
eigene soziale Tätigkeit zu kompensieren. Der Helfer
gibt die Zuwendung, die er empfangen möchte.
Personen mit dem Helfersyndrom versuchen, ihr
labiles Selbstwertgefühl durch die Aufopferung an
eine große Aufgabe und die damit verbundene
Dankbarkeit vieler Hilfsempfänger zu stabilisieren.
-
krankhafter Ehrgeiz: Menschen deren Selbstwertgefühl
größtenteils auf ihren beruflichen Leistungen
beruht, zeigen eine häufig krankhafte Sucht nach
Erfolg. Diese wird meist durch die elterliche
Erziehung geprägt, nämlich genau dann, wenn die
Zuneigung und Liebe direkt von den vorgezeigten
Erfolgen der Kinder abhängt.
-
besondere
persönliche Defizite: Eine schlechte Ausbildung, die
Misserfolge provoziert und die Unfähigkeit, anderen
Grenzen zu setzen, können den Burnout begünstigen.
-
ADHS-Betroffene sind generell einer erhöhten
Burnoutgefahr ausgesetzt
-
Unerkannte Behinderungen wie zum Beispiel
Schlafstörungen.
Soziale und
organisationspsychologische Ursachen
Folgende
Ursachen für Burnout stehen besonders in Zusammenhang
mit den Umweltfaktoren der Helfer: Ein Wechsel der
Arbeitssituation, wie z. B. der Einstieg in den Beruf,
ein Wechsel des Vorgesetzten, ein Wechsel der
Arbeitsstelle oder ähnliches sind häufig Auslöser für
das Burnout-Syndrom. Dabei ist ein guter
Einführungsprozess vor allem bei Berufsanfängern als
vorbeugende Maßnahme sehr wichtig.
Die
Arbeitsbelastung stellt eine weitere Einflussgröße dar.
Eine konfliktreiche Rolle, die Unmöglichkeit, sich die
Klientel auszusuchen, für den Betroffenen schwierige
Klientel, die zeitliche und organisatorische
Unmöglichkeit, mit der Klientel befriedigend zu
arbeiten, und zeitraubende sinnlose Verwaltungsarbeit
fördern Burnout. Auch das Ausmaß der intellektuellen
Anregung beeinflusst das Burnout-Risiko. Je mehr der
Alltag von immer gleicher Routine ohne Herausforderungen
bestimmt ist, desto höher ist das Burnout-Risiko.
Weiterhin wird Burnout begünstigt durch zu sachlichen,
zu einseitigen und zu unpersönlichen Kundenkontakt und
durch mangelnde Möglichkeiten des Helfers, sich selbst
in die Arbeit einzubringen und eigene Entscheidungen zu
treffen.
Zudem steigt
die Burnout-Gefährdung, wenn die Ziele und
Erfolgskriterien der Arbeit nicht klar definiert sind,
wenn das Team nicht die gleichen Ziele verfolgt oder
wenn der Helfer Ziele verfolgen muss, die gegen seine
eigenen Wertvorstellungen verstoßen. Im Kontakt mit
Kollegen kann Burnout dadurch mitverursacht werden, dass
der Betroffene Gleichgültigkeit erfährt, keinen Rat und
Unterstützung erhält und ihm keine emotionale und
strategische Rückendeckung gegeben wird. Außerdem wird
Burnout durch „schlechten“ Kontakt zum Vorgesetzten
begünstigt, wenn Betroffene beispielsweise zu wenig
Rückmeldung, Lob und Anerkennung bekommen. Auch zu
starke Kontrolle und schlechtes Arbeitsklima steigern
die Burnout-Gefahr.
Ein weiterer
Faktor sind die „professional mystiques“. D.h.,
Ausbildung und Massenmedien vermitteln falsche Bilder
wie beispielsweise: dass der Berufsstatus bereits
Kompetenz garantiere und die wiederum hohe Erfolgsraten;
dass Klienten grundsätzlich kooperativ und dankbar,
Kollegen hilfsbereit und solidarisch seien. Weitere
wichtige Umweltfaktoren sind private Probleme in Familie
oder Partnerschaft, Einsamkeit oder ein schwaches
soziales Umfeld. In großen Organisationen kommen noch
spezielle Faktoren wie z. B. zu wenig Autonomie und
eigene Entscheidungsfreiheit in der Arbeit sowie
Rollenambiguität und -konflikte dazu. Hier ist die
Gefahr größer, dass mehrere Menschen die gleichen
Aufgaben erledigen, dass Unübersichtlichkeit herrscht
und der Einzelne Aufgaben übernehmen muss, für die er
nicht ausgebildet ist.
Rechtlich
feststellbar ist das Vorliegen
organisationspsychologischer Ursachen, wenn im
Unternehmen psychomentale Belastungen nach ISO 10075 und
ISO 9421 nicht gemäß dem Arbeitsschutzgesetz in
Gefährdungsbeurteilungen dokumentiert sind. Bewusst
fordert der Gesetzgeber hier eine Beurteilung der
Arbeitssituation und nicht des einzelnen Mitarbeiters.
Auch muss für eine Gefährdungsbeurteilung nicht erst
bereits eine konkrete Gefährdung vorliegen, denn
beispielsweise ist Bildschirmarbeit an sich schon als
Gefährdung definiert, zu deren Abwehr der Unternehmer
entsprechende Maßnahmen und Wirksamkeitskontrollen
durchzuführen hat.[3]
Objektive
Belastungsfaktoren, Stress
Die objektiv
feststellbare Arbeitsbelastung stellt eine Einflussgröße
dar, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden sollte.
Dazu gehören: Massive körperliche Belastungen durch
Heben von Gewicht (insbesondere einseitiges Heben),
häufiger starker Wechsel der Umgebungstemperaturen ohne
entspr. Schutzkleidung, starke oder
gesundheitsschädliche Beschallung, deutlich wechselnde
tägliche Arbeitszeiten (oft Schaukeldienste genannt) und
häufige oder lang anhaltende Nachtdienste.
Belastbar
erscheinende Mitarbeitende werden vermehrt Überstunden
oder besonders belastenden Arbeitsbedingungen
ausgesetzt. Deren Selbstüberforderung wird durch die
Vorgesetzten evtl. nicht erkannt. Auch der Druck von
Vorgesetzten ist zu erwähnen, Überstunden z. B. zur
Erreichung von Arbeitszielen zu leisten. Dies reduziert
natürlich deren Fähigkeit, die Fürsorgepflichten als
Arbeitgeber-Vertreter wahrzunehmen. Im biologischen
Stress-Modell wird von einer vorübergehenden starken
Belastbarkeit ausgegangen, die allerdings ausreichende
Erholungsphasen erfordert. Sonst ist danach mit einem
Zusammenbruch des gesamten Organismus und seiner
Abwehrfunktionen zu rechnen.
Gesellschaftliche Ursachen
Auch in
gesellschaftlichen Zuständen und Veränderungen lassen
sich Ursachen für den Burnout finden:
-
Der
Zerfall familiärer und kommunitärer Bindungen
bewirkt wachsende Anonymität und Unpersönlichkeit.
Das fördert eine narzisstische, selbstbezogene
Charakterstruktur mit Angst vor Abhängigkeit,
innerlicher Leere und Problemen bei tiefen
persönlichen Bindungen. Die Arbeit wird umso höher
als Befriedigungsquelle mit Erwartungen besetzt.
Folglich sind die Menschen nicht mehr bereit,
Arbeitsbedingungen zu akzeptieren, die nicht optimal
sind und weniger befriedigen.
-
Eine
weitere Ursache liegt im Wertewandel, insbesondere
in der Einstellung zur Religion. Die hatte früher
größeren Einfluss und stellte die Wechselfälle des
Lebens oft eher als göttliche Fügung dar.
Individuelle menschliche Entscheidungen haben heute
Vorrang vor dem Einfluss höherer Mächte, was
Unzufriedenheit und damit Burnout fördert.
-
Darüber
hinaus wirkt in ungünstiger Arbeitsmarktlage
drohende oder sogar auch vorhandene, etwa unlösbare
Arbeitslosigkeit mit. Auch in helfenden Berufen
Tätige bleiben aus Angst eher an Stellen mit
schlechten Arbeitsbedingungen. Das macht unzufrieden
und erleichtert das „Ausbrennen“.
-
Die
unsichere Marktlage, in der eine sichere
Lebensplanung entfällt, verunsichert stark.
Wachsende Komplexität aller Prozesse des modernen
Lebens sorgt tendenziell für Autonomieeinbußen und
Stress, da der Mensch immer mehr auf Maschinen und
Spezialisten angewiesen ist. Man wird mehr auf
bestimmte Rollen festgelegt, kann nur noch
Teilbereiche des Lebens bestimmen und bewältigen,
ist oft damit überfordert.
-
Die
Spezialisierung innerhalb der helfenden Berufe
stellt gesellschaftlich hohe Erwartungen an sie. Als
bürokratisch empfundene Kontrollsysteme mit als
irrelevant empfundenen Erfolgskriterien können aus
Sicht der Betroffenen sinnvolle Arbeit erschweren.
Behandlung
Patienten mit
Burnout-Syndrom müssen durch professionelle Hilfe
unterstützt werden. In den Anfangsphasen können
teilweise noch ausgedehnte Erholung, z. B. in Form einer
Kur, oder ein Arbeitsplatzwechsel ausreichend Hilfe
leisten. Im fortgeschrittenen Stadium vergeht ein
Burnout-Syndrom nicht einfach wieder. Die Betroffenen
werden in einer gezielten Psychotherapie behandelt, die
helfen soll, die eigene Leistungsfähigkeit besser
einzuschätzen und zukünftige Leistungsanforderungen
realistischer zu stellen, damit künftige Überforderungen
verringert werden. Eine angemessene und eher
intensivierte psychopharmakologische Behandlung mit
Antidepressiva, v. a. SSRI, ist in den meisten Fällen
unumgänglich.
Präventive Maßnahmen
Individuell
Betroffene, das Team und die Institution können durch
verschiedene Maßnahmen von Gesundheitsförderung dem
Burnout vorbeugen. Hierzu wird u. a. auf die Konzepte
Salutogenese, Coping, Selbstwirksamkeit und Empowerment
und auf aus dem Arbeitsschutz hervorgehende Prozesse
verwiesen:
Zur
konsequenten Umsetzung[3] des
Arbeitsschutzgesetzes sind Arbeitgeber verpflichtet. Sie
haben dabei psychomentalen Belastungen in die für
Arbeitsplätze und Arbeitsaufgaben vorgeschriebenen
Gefährdungsbeurteilungen mit einzubeziehen. Weiterhin
verlangt das Gesetz die Planung und
Wirksamkeitskontrolle präventiver Maßnahmen gegen
psychische Fehlbelastungen. In Unternehmen mit
Betriebsräten sind diese Arbeitnehmervertretungen
verpflichtet, die Umsetzung der
Arbeitsschutzvorschriften mitzubestimmen und zu
überwachen. Die Vielzahl der unterschiedlichen
Möglichkeiten zur Umsetzung des Arbeitsschutzgesetzes
gibt Betriebsräten hier ein besonders starkes
Mitbestimmungsrecht. Eine besondere Aufsichtspflicht
haben im Bereich des Arbeitsschutzes auch die
Berufsgenossenschaften und die Gewerbeaufsichtsbehörden.
Die Zunahme des Anteils psychischer Erkrankungen an
allen zu Fehltagen führenden Erkrankungen führte auch zu
einem verstärkten Engagement der Krankenversicherungen
bei der Prävention psychischer Fehlbelastungen.
Eine sehr
wirksame Maßnahme gegen Burnout ist die Stärkung der
Teilhabe der Mitarbeiter an Entscheidungen, die ihre
Arbeit betreffen. Das macht einen partizipativen
Führungsstil erforderlich. Diese Maßnahme ist auch ein
Beispiel dafür, dass die Vermeidung von Fehlbelastungen
nicht gleichbedeutend sein muss mit einer Verringerung
der psychomentalen Belastung, denn wirkliche
Partizipation kann zu zusätzlichem Arbeitsaufwand
führen.
Für
Burnout-Gefährdete ist es sehr wichtig, sich selbst Zeit
und Raum zum Ausruhen und Regenerieren sowie für
Ausgleichsmöglichkeiten wie Sport, Musik oder andere
Hobbys zu geben. Aber auch Gebet und Meditation oder
andere Methoden, die dem Einzelnen ermöglichen, Ruhe und
Entspannung zu erfahren, indem sie die Aufmerksamkeit
gezielt von dem Belastungsbereich weglenken, können
geistig und körperlich sehr entlastend wirken.
Zudem ist es
wichtig, die notwendige Distanz zur Arbeit zu behalten
oder zu schaffen, um ihr aus einem neuen Blickwinkel zu
begegnen und möglicherweise unrealistische Vorstellungen
oder ungeeignete Prozesse zu korrigieren.
Auch das Team
ist für realistische Arbeitspläne und -umsetzungen
mitverantwortlich. Hier sollten dem Einzelnen wenn
möglich an seine Fähigkeiten angepasste, begrenzte und
realistische Aufgaben zugeteilt werden. Zudem sollte das
Team im Idealfall auch ein Raum für Austausch, Feedback
und gegenseitige Begleitung sein.
Fehlbelastungen kann durch Schaffung von Raum für
Reflexionen im Team entgegengewirkt werden, z. B. in
Form von Supervisionen und Projektrückschauen. Dies ist
jedoch nur mit Mitarbeitern möglich, die dieses Konzept
nicht grundsätzlich ablehnen. Die Beteiligung von
Mitarbeitern an Entscheidungen verringert psychische
Fehlbelastungen besonders wirksam. Voraussetzung dafür
ist ein partizipartiver Führungsstil.
Burnout in der ICD
Burn-out wird
in der „Internationalen Klassifikation der Erkrankungen“
als „Ausgebranntsein“ und „Zustand der totalen
Erschöpfung“ mit dem Diagnoseschlüssel Z73.0 erfasst.
Der Abschnitt Z enthält „Faktoren, die den
Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme
des Gesundheitswesens führen“; Burn-out ist also nach
dieser Klassifikation ein Einflussfaktor, aber kein
Syndrom und keine eigenständige Krankheit.
Quelle:
Wikipedia
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